Ganz Köln im Spatzenfieber

In den letzten Jahren ist der Bestand des Haussperlings besorgniserregend zurückgegangen. Der schleichende Verlust dieser sogenannten Allerweltsart ging dabei fast unbemerkt vonstatten und ist auf den zunehmenden Lebensraumverlust durch Versiegelung und intensive Grünpflege zurückzuführen. Mit dem Sympathieträger Spatz als Botschafter für naturnahe Städte soll über die verschiedensten Aktionen nicht nur der Vogel wieder bekannter gemacht werden, sondern auch neue Lebensräume geschaffen und den Bewohnern der Stadt Natur nahe gebracht werden. Neben einem Fotowettbewerb mit Kalendererstellung und der Konzeption und Umsetzung einer Ausstellung wurde im Rahmen von angeleiteten Projekttagen eine spatzengerechte Schulhofgestaltung an 10 Pilotschulen umgesetzt, ein Anleitungsleitfaden zu dieser Aktion erstellt, Spatzenlebensräume an einem außerschulischen Lernort und einer Wohnsiedlung angelegt, ein Kinderlesebuch erarbeitet und eine informative Internetseite zu Leben und Schutz des Haussperlings aufgebaut. Begleitet wird die Aktion durch Infostände und Vorträge sowie intensive Pressearbeit. Für die Umsetzung konnten bisher als Kooperationspartner der NABU Stadtverband Köln, der BUND Köln, die Universität zu Köln Biologie und ihre Didaktik, die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, der Zoo Köln, die AWB und die Victor F. Rolff Stiftung gewonnen werden.

Bei dem Spatz ist in den letzten Jahren eine besorgniserregende Abnahme der Bestände zu verzeichnen. Ziel des Projektes ist es daher, durch eigene Aktionen und den Aufruf zu bürgerlichen Initiativen ökologisch wirksame Strukturen zur Stärkung der Lebensraumfunktionen für den Spatz aber auch der Artenvielfalt insgesamt zu schaffen.
I. Das Projekt will Informieren
Internetauftritt: Um den Spatz in Köln wieder bekannter zu machen, wurde eine Internetseite mit Informationen rund um den Spatz und seinen Schutz aufgebaut
Ausstellung:
In Zusammenarbeit mit dem NABU Köln wurde eine kostenlos ausleihbare Ausstellung zum Spatz erstellt.
Kinderlesebuch Willy der Spatz:
An alle Kölner Grundschulen wurde ein bebildertes Lesebüchlein als Klassensatz verteilt, welches die Kinder in die Welt der Spatzen und die lauernden Gefahren eintauchen lässt.
II. Das Projekt will aktivieren
Fotowettbewerb mit Kalendererstellung:
In Zusammenarbeit mit dem NABU Köln wurde ein Fotowettbewerb ausgelobt. Aus den schönsten Bildern wurde für 2016 ein Jahreskalender erstellt, der neben den Bildern auch Informationen zum Schutz des Haussperlings beinhaltet. 4000 Kalender wurden mit äußerst positiver Resonanz verteilt.
Aufruf zur Meldung von Spatzensichtungen:
Da man zum Schutz einer Art auch wissen muss, wo diese noch vorkommt, erfolgt zusätzlich ein Aufruf zur Meldung von Spatzensichtungen über ein Online-Formular. Aus allen eingehenden Daten wird eine laufend aktualisierte Karte erstellt. Bislang liegen 190 Meldungen vor.
Lebensräume schaffen:
Eigeninitiative der BürgerInnen fördern durch Saatgut und Nistkästen:
Um den Spatzenschutz für engagierte BürgerInnen zu erleichtern, wurden in einem Kooperationsprojekt von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft Spatzennistkästen, Infoflyer zum Spatzenschutz und Saatguttütchen zur Anlage einer Spatzenweide an interessierte BürgerInnen abgegeben. Eine ganze Reihe Baumscheibenumgestaltungen, Balkon- und Schulagartenbepflanzungen wurden bereits von verschiedensten Akteuren umgesetzt. Auch mehrere Nistkästen wurden aufgehängt.
Der spatzengerechte Schulhof:
Da insbesondere Kinder für Natur sehr zugänglich sind, das Wissen bei Eltern und Lehrern zur Vermittlung entsprechender Inhalte aber leider oft nicht mehr ausreichend vorhanden ist, wurden an 10 Kölner Schulen in Kooperation mit dem BUND Köln Projekttage zur spatzengerechten Schulhofgestaltung durchgeführt. Nach einer theoretischen Einführung in das Leben der Spatzen wurden dabei in einem umfangreichen Praxisteil alle notwendigen Bestandteile eines Spatzenbiotops (Gehölz, Futterwiese, Nistkästen und Wasserstellen) mit den Kindern auf dem Schulgelände angelegt.
Basierend auf diesen Erfahrungen wurde von der Universität Köln, Biologie und ihre Didaktik, ein Projektleitfaden erstellt.
Mit gutem Beispiel voran - Spatzenlebensräume auf öffentlichen Flächen:
Im Verlauf des Jahres wurden zusätzlich Spatzenlebensräume an der Waldschule auf Gut Leidenhausen (in Zusammenarbeit mit der Waldschule der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) und in der Sozialsiedlung Kottenforststraße (in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wohnungswesen und dem BUND Köln) geschaffen.
Resumee:
Insgesamt soll mit dem Projekt anhand der Sympathieart Spatz wieder neuer Lebensraum für Tiere in der Stadt geschaffen werden, um dadurch die biologische Vielfalt insgesamt zu stärken und den Menschen die Artenvielfalt vor der Haustüre wieder näher zu bringen. Durch Mitmachaktionen und anschaulich gestaltetes Informationsmaterial, wie Kalender und Lesebüchlein sollen die BürgerInnen darüber hinaus animiert werden, auch selber Maßnahmen im eigenen Umfeld umzusetzen. Die Rückmeldungen zeigen deutlich, dass bereits eine ganze Reihe von Erfolgen erzielt werden konnten. So wurden auf privater Basis bereits mehrere spatzengerechte Baumscheiben angelegt, naturnahe Balkonkästen gestaltet, Spatzenweide in KITAs gesät und an mehreren Stellen auf privater Basis Spatzennisthilfen angebracht.
Ausblick:
In Weiterführung des Projektes ist geplant, verschiedene naturnahe Beete als Schauobjekte für die eigene Gartengestaltung in Zoo und Flora anzulegen. Diese Aktion soll mit einem Flyer begleitet werden, der u.a. eine Artenliste einheimischer Hochstauden beinhalten soll, die einen Garten für den Menschen ebenso attraktiv machen, wie für die heimische Fauna.
Zusätzlich werden alle privaten Grünpaten über einen Rundbrief auf die Sinnhaftigkeit naturnah gestalteter Baumscheiben hingewiesen.
Die Ausstellung wird über das Jahr an verschiedenen Orten präsentiert. Ein Einführungsvortrag erläutert dabei das Gesamtprojekt. Buchungen bis Ende des Jahres liegen bereits vor.
An mehreren Stellen des Stadtgebietes ist von privaten Initiativen mit Unterstützung der Stadt geplant, weitere Spatzenlebensräume anzulegen.
Innerhalb der Verwaltung wird zusätzlich für eine naturnähere Grüngestaltung geworben und darüber hinaus versucht, die Belange der Artenvielfalt in die städtischen Planvorhaben zu implementieren.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Aufgrund der menschennahen Lebensweise und der relativ überschaubaren Lebensraumansprüche (Nistplatz, Nahrung, Versteck, Säuberungsmöglichkeiten auf engem Raum) lassen sich ökologische Zusammenhänge anhand des Haussperlings anschaulich vermitteln und einfach umzusetzende Schutzmöglichkeiten aufzeigen. Da sich der Spatz einer großen Sympathie erfreut, besteht bei entsprechender Aufklärung eine hohe Bereitschaft der Bevölkerung, sich an der Umsetzung solcher Maßnahmen zu beteiligen. Dies schließt auch das eigene Umfeld mit ein. Durch eine naturnähere Gestaltung der Grünbereiche im Wohnumfeld (Gärten, Balkone, Baumscheiben) werden dabei die größten Erfolge erzielt. Da diese Maßnahmen neben dem Spatz auch einer ganzen Reihe anderer einheimischer Arten das Überleben sichern und so die Biologische Vielfalt insgesamt stärken, dient der Spatz als Botschafter für mehr Natur und damit größere Artenvielfalt in der Stadt.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Spatz Willy, eine Lesebuch für Kinder

Spatzenkalender 2016

 

Besuchen Sie uns

Stadthaus Köln

Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Öffnungszeiten: 9:00 bis 16:00 Uhr

Betina Küchenhoff
Tel.:0221-221-22770
betina.kuechenhoff@stadt-koeln.de
http://www.stadt-koeln.de/spatz

 

Weitere Infos

Umwelt- und Verbraucherschutzamt der Stadt Köln; NABU Stadtverband Köln; BUND Köln; Stiftung Rheinische Kulturlandschaft; Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Kölner Zoo
Köln

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld